„In die Box“ – Teil 1

Langsam hat sich klein Hetty an ihren Kennel gewöhnt. Soll heißen, wenn ich sie auf den Arm nehme und in die Box lege geht das ohne großes Gestrampel und Gemurre. Von der Möglichkeit, dass sie auf ein Kommando alleine in die Box geht sind wir aber noch meilenweit entfernt.
Noch immer würde sie viel lieber den ganzen Tag umhertanzen und sich einfach irgendwo zusammenrollen, wenn ihr danach ist.

Mit dieser Verfahrensweise hätte ich hier bald einen völlig überdrehten / übernächtigten kleinen Hund der nicht mehr in der Lage wäre zu lernen also werde ich sie wohl überzeugen müssen.

Fangen wir also damit an, das wir in der Nähe des offenen Kennels kleinere Kommandos üben. Zum Beispiel „Sitz“. Nach dem Klick fliegt die Belohnung in den Kennel. Sie frisst diese und darf wieder rauskommen.

Damit möchte ich erreichen, dass sie ohne groß nachzudenken in die Box hüpft.

Getrennt von dieser Übung aber dennoch parallel (zu einer anderen Zeit am Tag) üben wir „In die Box“. Eigentlich soll jede Aktion in Richtung des Kennels geklickt werden. Jeder Blick, jede Bewegung zum Kennel … Später dann erst klicken wenn der Kopf in die Box geht oder eine Pfote reingesetzt wird.

Allerdings stießen wir schon im ersten Schritt an unsere Grenzen. Hetty setzte sich vor mich und ignorierte den Kennel geflissentlich.

Ich musste also meine Trainingsschritte (mal wieder) überdenken.

Ich legte also ihr Kissen aus dem Kennel direkt vor den Kennel, nun wir jedes Gucken, sogar jedes Drehen des Kopfes in Richtung Kissen geklickt. Setzt sie eine Pfote aufs Kissen „Klick“. Das Leckerchen fliegt immer vom Kissen weg, so dass sie in Bewegung ist und aktiv wieder auf das Kissen geht. Würde man das Leckerchen auf dem Kissen geben könnt der Hund dort „einfrieren“.

In dieser ersten Lernphase muss man sehr schnell sein, damit der Hund nicht gefrustet wird. Ich habe diesen Schritt jetzt an zwei Tagen nacheinander geübt. Wie lange übt man? Ich nehme mir für jede Klicker-Einheit 10 – 15 Leckerchen.

Und so sieht das derzeit aus:

Das werden wir jetzt ein paar Mal üben und dann kommt der nächste Schritt –  wieder mit neuem Video.

 

Nichts ist in Stein gemeißelt

Viele Themen in der Hundeerziehung sind wirklich „in Stein gehauen“ und auch wirklich immer gültig. Davon bin ich überzeugt.

1.) Wehret den Anfängen! Es ist leichter gewünschtes Verhalten zu etablieren als unerwünschtes wieder abzustellen.

2.) Sei konsequent! Bist du es, bist du klar für den Hund und machst es ihm viel einfacher dich zu verstehen.

ABER … Manches ist eben nicht allgemein gültig und deshalb:

3.) Beobachte deinen Hund genau und passe Übungen immer an. Schere dich nicht um Zeitpläne, wann ein Hund was können sollte (Woche 1…. Woche 5 usw.)

4.) Schaue immer über den Tellerrand. Glaube nichts ungeprüft und sei mutig genug zu widersprechen / oder deinen eigenen Weg zu gehen.

Warum ich das schreibe, tja weil ich genau dies im Moment mit Hetty erlebe.

Sie ist wirklich ein kleiner Wirbelwind und es fällt ihr unendlich schwer auf ihrem kleinen Welpenpopo sitzen zu bleiben. Wie soll ich ihr also ein Dummy auf den Feldweg auslegen und sie voran schicken, wenn sei einfach nicht sitzen bleibt. Mal abgesehen davon, dass sie mit Beute immer noch lieber davonzwitschert als in meine Arme zu fliegen.

Na klar, ich lass sowas einfach bleiben! Wieder aller Trainingsbücher üben wir nix was mit dem Dummy direkt zu tun hat. Wir üben Rückruf, Suchenpfiff mit Leckerchen, streunern durch den Wald, klettern über Baumstämme und kämpfen uns durch Gestrüpp. Wir versuchen gesittet an der Leine zu gehen und natürlich üben wir sitzen (und bleiben).

Nun aber zu einem konkreten Beispiel zu Punkt 4.

Das Boxentraining (Kennel). Natürlich haben wir einen Kennel für Hetty. Ich bin überzeugt von dem positiven Nutzen den ein Zimmerkennel hat. Ich bin mir sicher, dass klein Hetty nur dort wirklich tief und fest schläft. Manchmal wirklich drei Stunden am Stück und das würde sie nicht tun, wenn sie nur hier auf ihrem Deckchen liegen würde. Viel zu neugierig ist sie, als dass sie nicht hinter allen herlaufen würde.

Es gibt einige Beschreibungen wie man den Welpen an den Kennel gewöhnen sollte. Hund rein, was gutes zu knabbern, Tür zu und fertig! Das „Genörgel“ soll man einfach ignorieren weil … der Welpe sicher irgendwann aufgibt und sich zusammenrollt.

Was aber wenn das nicht funktioniert?

Tja, man kann stur weiter an den alten Glaubenssätzen festhalten oder, man geht einen neuen … den eigenen Weg.

Ich habe Hetty sehr genau beobachtet. Sie saß in dem Kennel und hat vor Zorn und Frust gebellt. Keine Verzweiflung in der Stimme, kein Gewimmer. Augen und Ohren wach nach vorne und zum Kampfgebrüll angestimmt.

Sicher, sie war irgendwann ruhig, so nach 1,5 Stunden. Sie ist völlig entkräftet umgefallen und hat sehr unruhig geschlafen, Sogar gewimmert hat sie in ihren Träumen.
Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass das gut sein soll. Niemals würde diese Prozedur dazu führen, dass sie sich in diesem Kennel wohlfühlen wird. Ach der Schlaf ist ja dann nicht erholsam, wenn derartig viel Stresshormone ausgeschüttet werden. Was also tun?

Als erstes begann ich ihr ihre Mahlzeiten im Kennel zu füttern. Selbst beim gefüllten Napf wollte sie den Käfig zuerst nicht betreten. Erst als sie bemerkte, dass sie nach dem Fressen sofort wieder rauslaufen konnte ging sie unbefangen rein um zu fressen.

Als nächstes wurde während sie fraß die Tür des Kennels zugemacht. Auch das haben wir einige Tag durchgezogen aber sie durfte nach dem Fressen immer wieder gleich raus aus der Box.

Der folgende Schritt ist nun der, bei dem ich genau das gegensätzliche von dem getan habe, was die „allgemeine Meinung“ ist. Ich habe mich zu ihr vor ihre Box gesetzt. Sie fraß und drehte sich zur Tür und diese blieb zu. Ich war bewaffnet mit vielen guten Leckerchen und sie saß vor der Tür, war ruhig „klick“ und „Leckerchen“ (Abkürzung „KL“). Ich öffnete langsam die Tür, sie war ruhig, „KL“. Tür wieder schließen – Hetty ruhig „KL“. In diesem Stadium des Trainings brauchte ich wirklich viele Leckerchen. Dann durfte sie wieder raus.

Wir haben auch das einige Tage geübt. Dann ging es weiter. Bei offener Tür saß ich vor dem Kennel, so dass sie nicht flüchten konnte. Wir waren im Wald toben gewesen. Sie hatte gefressen und war offensichtlich müde. Also streichelte ich sie, sie entspannte und legte sich hin. Ich blieb einfach bei ihr und streichelte sie weiter. Langsam fielen ihre Äuglein zu und ich schloss leise die Tür. Natürlich blickte sie auf aber ich blieb ganz ruhig bei ihr sitzen und fing selbst an zu gähnen. Ich imitierte also das Verhalten eines müden, entspannten Hundes.
Wie zum Beweis, das es funktioniert blieb Hetty liegen und sie war ruhig. Nach 5 Minuten war sie tief und fest eingeschlafen und ich konnte mich vom Kennel entfernen.
War das nur Zufall?
Ich probierte weiter. Mehrmals am Tag, nach dem Spielen und Fressen, setzte ich mich zu ihr und siehe da, keine Bellorgien mehr. Sicher, sie wollte schon mal los miepen oder sich an mir vorbeiquetschen aber ich unterbrach mit „Schschsch“ und dann war sie sofort wieder ruhig.

Eine Woche hat es gedauert. Eine Woche die ich intensiv genutzt habe dem kleinen goldenen Hund zu verdeutlichen, dass der Kennel nicht der furchtbarste Ort der Welt ist. Heute kann ich sie schnappen und in den Kennel bringen. Sie legt sich sofort hin, manchmal meckert sie ein bisschen (leise 1 – 2 Minuten) doch dann ist sie tief und fest eingeschlafen.

Nun arbeiten wir daran, dass sie auf Kommando in den Kennel geht. Das machen wir wieder mit „KL“. Ich werde weiter berichten…

Off Topic:

Hetty hat jetzt auch ihren ersten eigenen Banner der im Blog mit durchläuft. In den nächsten Tagen werde ich noch zwei bis drei basteln. Bei der Gelegenheit muss ich mich wieder und wieder bei Jens bedanken. Ohne dich hätte ich nie so wunderschöne Fotos von meinen Schwarznasen.

Banner_01

Was haben …

die Perlenhandtasche von Hermine Granger und eine Dummyweste gemeinsam?

Tja, auf den ersten Blick wahrscheinlich nichts auf den zweiten aber … dann doch etwas.

Für die Ausbildung und Bespaßung von Vierbeinern benötigt man auf jedem Spaziergang ja so diverse Sachen. Hundeführer wissen von was ich spreche.

Wenn man aber einen quirligen kleinen Welpen erzieht und für diesen immer wieder der Nabel der Welt sein soll, steigt die Anzahl des Equipments gleich um ein Vielfaches.

Tennisbälle, Spieli, Dummys in allen Größen, Halsband, Leine, Schleppleine, Klicker… Hundertmillionentrölfzig Leckerchen, Markierstäbe, Tennisballschleuder, Tennisballkanone, Futterdummys …. blablabla…. diese Liste ließe sich beliebig ergänzen und verlängern.

Heute nun, kam ein weiteres, sperriges Teil dazu. Eine Frischhaltedose mit einer Futterration von Hetty und zum ersten Mal finde ich die Umstellung auf Barf, naja, sagen wir mal … unpraktisch.

Ich wollte an Hetty’s „Ich will aber die Beute ganz für mich alleine haben – Problemchen“ arbeiten bzw. diesem gegensteuern.

Also packte ich die Portion Muskelfleisch in die Dose und fuhr in den Wald um mit ihr stromern zu gehen. Bei unserem normalen Rückruftraining wollte ich sie dann mit ein bisschen Fleisch belohnen und sie so „anfüttern“ damit sie auch mit Beute dann schnell zu mir läuft.

Soweit der Plan! … Ich fand ihn ausgesprochen plausibel und gut!

Ich rief also „Heeetiiiiiiieeeee“ und wie gewohnt kam die Maus gleich angeflitzt. Ich also Hand in die Weste und – zack – das Spieli rausgezerrt und die Dose gleich mit welche dann aber auf den Boden und fast aufs Hundekind gefallen wäre. *URGS*

Egal, Hund mit einem Spielchen belohnt und weiter gings. Ich kramte nun erstmal in der Rückentasche der Weste um beim nächsten Abrufen gleich die Dose zu erwischen und siehe da… es klappte.

Ich hielt Hetty das Fleisch unter die Nase und war sofort damit beschäftigt sie davon abzuhalten mit den Pfötchen in die Dose zu datschen. Außerdem wäre fast der komplette Inhalt im Hettybäuchlein verschwunden. Ich muss mich wirklich noch daran gewöhnen, dass Hetty ein anderes Fressverhalten an den Tag legt als Fiene.

Aber, ich hatte sie. Bei den nächsten Rückrufen war sie schnell wie der Teufel. Nun kam der Moment die Beute ins Spiel zu bringen. Ich hockte mich hin, hielt den Zwockel fest, warf das Dummy und sie düste los …. gleich als sie es mit Mäuselsprung „erlegte“ fing ich an rückwärts zu gehen und zu rufen „Heeeeeeetttiiiiiiieeeee“! Sie düst auf mich zu (macht sie ja sonst auch) und in dem Moment wo sie sonst an mir vorbeizwitschert rufe ich nochmal und zieh die Dose aus der Weste….

Sie kommt, spukt das Dummy vor die Füße und bekommt ihren Lohn. Tja, und ich steh im Wald und fütter dem Hund rohes, gewolftes Fleisch aus der Hand… Da war Trockenfutter doch besser 😉

Wir machen noch zwei Versuche und beim letzten warte ich bis sie bei mir ist um die Dose rauszuzerren.

Der Plan hat also gefunzt. Damit liegen unsere Apportierspielchen jetzt wieder auf Eis. Sie weiß, was zu tun ist und nun werde ich sie weiter in die Geheimnisse der in der Luft liegenden Musik einweihen … (Suchenpfiff).

Ach, wer Hermine Granger ist fragt ihr euch? Und was hat es mit ihrer Perlenhandtasche auf sich … Wohl noch nie Harry Potter gelesen?