Angepirscht {07|26}

Bei „Angepirscht“ könnt ihr meinen Weg als Jungjäger in die aktive Jagd verfolgen.

Jetzt beginnt das Lernen erst so richtig und ich bin sehr gespannt, wo mich dieser Weg hinführen wird.

Wer den Start, der Reihe verpasst hat, findet die Beiträge HIER.

Schöne Tage im Revier und das erste Mal auch mit Waffe. Da ich selbst noch keinen Waffenschrank habe, kann ich mir auch noch keine eigene Waffe kaufen.
Das ist derzeit aber zum Glück auch gar nicht nötig denn mein „Lehrprinz“ stellt mir eine Büchse zur Verfügung.

Da ich bisher mit nur einem Büchsenmodell während der Ausbildung geschossen habe, ist er mit mir ins Revier gefahren damit ich mit der Waffe Trainingsschüsse (auf eine Scheibe) abgeben konnte.

Auf dem Drückjagdbock eingerichtet, habe ich zuerst einige Male den Abzug betätigt, um ein Gefühl für den Druckpunkt der Waffe zu bekommen. Der Probeschuss war richtig gut und so steht dem aktiven Jagen nichts mehr im Wege.

Als ich an diesem Abend draußen saß, kam tatsächlich ein passender Bock auf die Lichtung. Allerdings stand er immer spitz und zog auch spitz von mir weg. Keine Möglichkeit einen sauberen Schuss anzutragen.

Revierrundfahrt und Arbeiten wurden erledigt. Bisher finde ich mich nicht besonders gut zurecht. Da werde ich sicher noch oft fragen müssen, bis ich mir die vielen Wege und Schleichwege eingeprägt habe. Auf jeden Fall habe ich schon meine ersten Aufgaben, die ich nächste Woche angehen werde. Es gilt einen neuen Pirschweg anzulegen.
Auch an diesem Sonntagabend saß ich wieder draußen. Der Bock kam, allerdings war er diesmal über 250 Meter weit entfernt. Das habe ich mir einfach nicht zugetraut. Also habe ich ihn mit dem Fernglas ein wenig beobachtet und mich gefreut, dass auch wieder Hasen unterwegs waren. Für Fotos war es an diesem Abend schon zu düster und die Entfernung war zu weit. Das schafft mein Objektiv nicht.

Und dann ging alles doch recht schnell. Am 30.05. konnte ich meinen ersten Bock erlegen. Viele erfahrenere Jäger berichteten mir vom „Jagdfieber“ und der Aufregung vor dem Schuss. Das konnte ich bei mir überhaupt nicht feststellen. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich nie mit dem Gedanken rausgehe, dass ich unbedingt etwas schießen „muss“. Es ist mir sehr wichtig, dass ich das Wild auf das ich meine Waffe richtig sauber angesprochen habe und, dass ich einen sehr guten Schuss antragen kann.
Keine Kompromisse! Steht das Wild nicht gut, bleibt der Finger gerade.
Mit dieser Einstellung beobachtete ich den Bock über eine halbe Stunde. Er zog leicht schräg vor mich und hatte eine Ricke im Schlepptau, die immer hinter ihm stand.
So konnte ich nicht schießen, denn das „Hintergelände“ war nicht frei.
Im hohen Gras konnte ich auch nicht wirklich gut Zielen und so beobachtet ich, richtete mich neu ein und verfolgte den Bock mit dem Zielfernrohr.
Und plötzlich macht er zwei, drei Schritte in die richtige Richtung, hob das Haupt und stand breit. Als der Schuss brach, lag der Bock im Knall. Ich beobachtete weiter, sah Bewegung und aus dem Augenwinkel bemerkte ich ein Stück, dass in den Wald sprang.

Ich war so erschrocken! Zweifelte an meinem Schuss, war mir aber sicher, dass ich gut abgekommen war (gut getroffen hatte). Dann fiel mir die Ricke ein und war sicher, das war das weibliche Stück.

Ich wartete einige Minuten, dann verließ ich den Hochsitz, um den Anschuss zu suchen. Ich fand die Stelle, und dort auch viel Schweiß (Blut). Nur der Bock war nicht da …. jetzt raste mein Herz. Im hohen Gras konnte ich ihn nicht sehen, um nicht alles zu zertrampeln, rief ich meinen Jagdprinzen an damit er mit dem Hund kommt. Ich war wirklich sehr aufgeregt und machte mir Vorwürfe nicht gut geschossen zu haben.

Dieser kam, setzte den Hund an und nach ca. 6 Metern fand Merida meinen Bock. Ich hatte sehr gut getroffen. 2 cm über dem Herz. Die Kammer (Brustkorb) war durchschlagen und so konnte der Bock nach dem Treffer nur noch wenige Meter zurücklegen. Dies ist dem Adrenalin geschuldet und auch der Wirkung des Geschosses. Ich war so froh, dass ich mich nicht geirrt hatte. Sauber treffen ist mir wirklich sehr wichtig.

Ein Leben zu nehmen ist ein verantwortungsvoller Moment. Das Tier zu ehren, das oberste Gebot darum verzichte ich auf meinem Blog und auch in den sozialen Medien ganz bewusst auf Erlegerbilder.
Dem Tier den letzten Bissen zu geben, den Inbesitznahmebruch aufzulegen oder auch dem Hund den Nachsuchenbruch anzustecken sind Rituale, die im Stillen stattfinden und die ich mir als Jägerin im Herzen bewahren möchte.

Zum ersten Mal sagte ich also „Waidmannsdank!“


Wenn ihr Fragen zur Jagd habe, wie ich sie erlebe oder auch zur Ausbildung schreibt mir gerne einen Kommentar.


Angepirscht {06|26}

Bei „Angepirscht“ könnt ihr meinen Weg als Jungjäger in die aktive Jagd verfolgen.

Jetzt beginnt das Lernen erst so richtig und ich bin sehr gespannt, wo mich dieser Weg hinführen wird.

Wer den Start, der Reihe verpasst hat, findet die Beiträge HIER.

Gleich am 01. Mai hatte ich meine erste Einladung zu einem Gemeinschaftsansitz. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen Termin bei der Behörde hatte um meinen Jagdschein zu lösen, war ich mit Kamera und Glas bewaffnet, als ich früh am Morgen auf meinen Sitz kletterte.

Ich liebe es, wenn die Natur so langsam erwacht und um einen herum das Leben beginnt. Schon sehr schnell hatte ich Anblick und konnte den Bock und auch zwei Ricken über eine Stunde beobachten. Leider waren sie sehr weit weg, mit dem Glas konnte ich sie gut sehen aber das Objektiv der Kamera hat nicht wirklich gereicht.

Später kamen dann diese beiden noch direkt an meinem Sitz vorbeigelaufen.

Am 02. Mai ging es direkt weiter mit Revierarbeiten. Um zwei Rapsfelder vor Schaden zu bewahren, sollten wir diesen einzäunen. Gesagt, getan … Pfosten gesteckt, Litzen gezogen und am Mittag waren wir drei fertig.

Auch am 06.05. habe ich mich, diesmal am Abend mit der Kamera rausgesetzt. Es war lange still, einen Bock konnte ich hören, aber der war auf jeden Fall weiter weg. Als erstes besuchte mich Meister Lampe

Dieses stille sitzen und beobachten, dass macht mir richtig Freunde.

Der Hase war schon eine ganze Weile verschwunden, da raschelte es hinter mir. Ganz vorsichtig drehte ich mich und dann konnte ich dieses Reh über fast eine dreiviertel Stunde beobachten. Wie es so auf die Wiese trat, war mein erster Gedanke „Schmalreh“. Tatsächlich sieht das Tier auf den Fotos kräftiger aus, als es in der Realität wirkte. Sehr schön zu sehen ist der momentane Wechsel von der Winter- zur Sommerdecke.

Tja und dann war er doch noch da, der Bock. Er war schon ziemlich weit weg aber im Fotoprogramm habe ich ihn mir vergrößert und ich konnte die gefegten Gabeln gut erkennen.

Er war sehr aufmerksam, äugte ständig in den Wald und plötzlich sprang er ab. Keine Ahnung, was ihn zur Flucht veranlasst hat. Von mir konnte er keinen Wind haben und nach ihm blieb die Lichtung leer.

Angepirscht {05|26}

Bei „Angepirscht“ könnt ihr meinen Weg bis zur hoffentlich erfolgreich bestandenen Jagdprüfung verfolgen.

Der Weg zum Jagdschein ist anstrengend, sehr lehrreich, oft lustig aber auch wirklich mit sehr viel büffeln verbunden. Wer den Start, der Reihe verpasst hat, findet die Beiträge HIER.

Beim letzten Mal hatte ich ja berichtet, dass der Schrotschuss auf den Hasen und auch der laufende Keiler noch nicht so wirklich gut klappt. Mal habe ich getroffen (selten) dann wieder gar nicht.
Da ich mit dem Problem nicht alleine dastand, sind wir zu zweit in ein Schießkino gefahren und haben uns dort Hilfe geholt.
Unser Waffenschaft wurde angepasst und wir machten Trockentraining. Im Schießkino haben wir dann beide gut getroffen.
Zurück am heimischen Schießstand wollte der doofe Hase bei mir wieder nicht fallen. Ich war echt am Verzweifeln und dann kam die Frage … „Ivonne, was hast du denn für eine Brille auf?“
Auf meine Antwort: „Eine Gleitsichtbrille!“ folgte die Anweisung „Schieß mal ohne Brille.“
Das kam mir ganz und gar falsch vor. Ich sehe ohne Brille wirklich nicht gut und darum war ich etwas zögerlich…. und dann total erstaunt… denn, das war tatsächlich des Rätsels Lösung.
Der Schliff der Brille hat meine Zielerfassung gestört und darum habe ich nicht getroffen … von da an waren die Flinte, der Hase und ich tatsächlich beste Freunde.

Auch der laufenden Keiler in einer Distanz von 50 Meter stehend freihändig lief eher mäßig gut. Mal konnte ich knapp die Anforderungen erfüllen, dann wieder in drei Durchgängen nicht. Es war zum Mäusemelken.

Dafür wurde ich bei den statischen Disziplinen immer besser:

In den letzten Wochen habe ich wirklich jeden Tag 3-4 Stunden gelernt. Zusätzlich kamen noch Termine mit der Lerngruppe dazu. Jeder Spaziergang mit den Hunden wurde genutzt um Bäume, Sträucher, Büsche, Gräser, Vögel und Losung zu bestimmen. Gerade beim Grünzeug wollte ich dran bleiben um zu sehen, wie es sich im Laufe des Frühlings verändert.

Tja und dann kamen die Prüfungstermine immer näher und näher. Am 17.04. war es so weit. Alle Jagdschüler aus Fulda, Bad Hersfeld, Hersfeld Rothenburg, Bad Zwesten und Hünfeld versammelten sich am Schießstand und es ging los. Ich war so furchtbar aufgeregt und so war es nicht verwunderlich, dass das mit mir und dem laufenden Keiler nicht funktioniert hat. Auch im zweiten Durchgang wollten die Kugeln einfach nicht ins Ziel finden. Es war also klar, dass ich am 19.04. noch einmal zum Nachschießen muss – nochmal alle vier Disziplinen.

Vorher galt es am 18.04. die schriftliche Prüfung zu schaffen. Hundert aus 2234 Fragen – 25 aus jedem Sachgebiet. Ich war erstaunlich ruhig. Ich wusste, dass ich gut gelernt hatte und war nach ca. 1 Stunde fertig und konnte abgeben. Das Ergebnis blieb allerdings unter Verschluss bis nach der mündlich/praktischen Prüfung.

Am Sonntag nach der schriftlichen Prüfung musste ich dann meine Ehrenrunde auf dem Schießstand geben. Ich war so erleichtert… drei Mädels aus dem Kurs kamen mit, um mich moralisch zu unterstützen. Die Jungs aus der Lerngruppe hielten ebenfalls die Daumen und sogar der liebe Gott wurde eingeschaltet, da einer der Jungs in der Kirche ein Kerzchen für mich anzündete. Auch von Julia aus der Lerngruppe gab es ein „Glückslicht“

Ich war bei weitem nicht alleine. Von allen Prüflingen mussten insgesamt 15 zum Nachschießen.
Alles lief gut und dann kam der Keiler. Heike nahm mich bei Seite und sagte: “ Konzentriere dich, lass dir Zeit … DU kannst das!!“ und das habe ich getan … Ganz ruhig, jeden Schuss konzentriert neu aufgebaut und dann hatte ich meine 5 Schuss abgegeben.
Die Scheibe kam zurück und ich hörte den Prüfer sagen „3!!“ WOW!! Als Erstes eine Zahl, das bedeutete – keinen Fehlschuss – alle Treffer in den Ringen!! „8, 10, 10, 10“ Irre, so gut hatte ich noch NIE geschossen. Und da liefen sie … die Tränen. Der ganze Druck und die Anspannung waren mit einmal weg und ich nur noch glücklich.

Es folgte noch eine Woche pauken, bis der Kopf rauchte. Jeden Abend Lerngruppe. Einheiten mit Waffenhandhabung und immer wieder Bäume und Sträucher. Ganz langsam kroch wieder die Prüfungsangst in mir hoch. Am Sonntag, den 26.04. um 10:30 stand dann die letzte Hürde auf dem Programm 4 Räume, 8 Prüfer und ihre Sachgebiete.
Tja, und dann ging alles doch ganz schnell. Alle Fragen waren beantwortet und wir alle warteten darauf, dass die Ergebnisse ausgewertet wurden.

Wir gingen wieder rein und bekamen eröffnet, dass wir bestanden hatten. Nach und nach wurden wir namentlich aufgerufen und bekamen unsere Prüfungszeugnisse überreicht. Frau Finke, mit 98 % eine herausragende schriftliche Prüfung und auch im mündlich-praktischen eine sehr gute Leistung – nur im Schießen, da haben sie es ein bisschen spannend gemacht! „Weidmannsheil!“

Es ist also geschafft und ich darf mich nun voller Stolz Jungjägerin nennen.

Jetzt, ein paar Tage später, bin ich immer noch sehr stolz und freue mich, dass ich es geschafft habe. Als Nächstes darf ich dann meinen Jagdschein bei der unteren Jagdbehörde lösen (Dienstag).

Es wird jetzt wieder ein wenig mehr auf dem Blog zu lesen geben und natürlich auch weiter die Serie „Angepirscht“.
Jetzt nehme ich euch mit auf meinem Jungjäger-Weg … denn jetzt fängt das Lernen ja erst richtig an!