
Bei „Angepirscht“ könnt ihr meinen Weg bis zur hoffentlich erfolgreich bestandenen JagdprĂĽfung verfolgen.
Der Weg zum Jagdschein ist anstrengend, sehr lehrreich, oft lustig aber auch wirklich mit sehr viel büffeln verbunden. Wer den Start, der Reihe verpasst hat, findet die Beiträge HIER.
Beim letzten Mal hatte ich ja berichtet, dass der Schrotschuss auf den Hasen und auch der laufende Keiler noch nicht so wirklich gut klappt. Mal habe ich getroffen (selten) dann wieder gar nicht.
Da ich mit dem Problem nicht alleine dastand, sind wir zu zweit in ein SchieĂźkino gefahren und haben uns dort Hilfe geholt.
Unser Waffenschaft wurde angepasst und wir machten Trockentraining. Im SchieĂźkino haben wir dann beide gut getroffen.
ZurĂĽck am heimischen SchieĂźstand wollte der doofe Hase bei mir wieder nicht fallen. Ich war echt am Verzweifeln und dann kam die Frage … „Ivonne, was hast du denn fĂĽr eine Brille auf?“
Auf meine Antwort: „Eine Gleitsichtbrille!“ folgte die Anweisung „SchieĂź mal ohne Brille.“
Das kam mir ganz und gar falsch vor. Ich sehe ohne Brille wirklich nicht gut und darum war ich etwas zögerlich…. und dann total erstaunt… denn, das war tatsächlich des Rätsels Lösung.
Der Schliff der Brille hat meine Zielerfassung gestört und darum habe ich nicht getroffen … von da an waren die Flinte, der Hase und ich tatsächlich beste Freunde.


Auch der laufenden Keiler in einer Distanz von 50 Meter stehend freihändig lief eher mäßig gut. Mal konnte ich knapp die Anforderungen erfüllen, dann wieder in drei Durchgängen nicht. Es war zum Mäusemelken.
DafĂĽr wurde ich bei den statischen Disziplinen immer besser:


In den letzten Wochen habe ich wirklich jeden Tag 3-4 Stunden gelernt. Zusätzlich kamen noch Termine mit der Lerngruppe dazu. Jeder Spaziergang mit den Hunden wurde genutzt um Bäume, Sträucher, Büsche, Gräser, Vögel und Losung zu bestimmen. Gerade beim Grünzeug wollte ich dran bleiben um zu sehen, wie es sich im Laufe des Frühlings verändert.



Tja und dann kamen die PrĂĽfungstermine immer näher und näher. Am 17.04. war es so weit. Alle JagdschĂĽler aus Fulda, Bad Hersfeld, Hersfeld Rothenburg, Bad Zwesten und HĂĽnfeld versammelten sich am SchieĂźstand und es ging los. Ich war so furchtbar aufgeregt und so war es nicht verwunderlich, dass das mit mir und dem laufenden Keiler nicht funktioniert hat. Auch im zweiten Durchgang wollten die Kugeln einfach nicht ins Ziel finden. Es war also klar, dass ich am 19.04. noch einmal zum NachschieĂźen muss – nochmal alle vier Disziplinen.
Vorher galt es am 18.04. die schriftliche PrĂĽfung zu schaffen. Hundert aus 2234 Fragen – 25 aus jedem Sachgebiet. Ich war erstaunlich ruhig. Ich wusste, dass ich gut gelernt hatte und war nach ca. 1 Stunde fertig und konnte abgeben. Das Ergebnis blieb allerdings unter Verschluss bis nach der mĂĽndlich/praktischen PrĂĽfung.
Am Sonntag nach der schriftlichen PrĂĽfung musste ich dann meine Ehrenrunde auf dem SchieĂźstand geben. Ich war so erleichtert… drei Mädels aus dem Kurs kamen mit, um mich moralisch zu unterstĂĽtzen. Die Jungs aus der Lerngruppe hielten ebenfalls die Daumen und sogar der liebe Gott wurde eingeschaltet, da einer der Jungs in der Kirche ein Kerzchen fĂĽr mich anzĂĽndete. Auch von Julia aus der Lerngruppe gab es ein „GlĂĽckslicht“


Ich war bei weitem nicht alleine. Von allen PrĂĽflingen mussten insgesamt 15 zum NachschieĂźen.
Alles lief gut und dann kam der Keiler. Heike nahm mich bei Seite und sagte: “ Konzentriere dich, lass dir Zeit … DU kannst das!!“ und das habe ich getan … Ganz ruhig, jeden Schuss konzentriert neu aufgebaut und dann hatte ich meine 5 Schuss abgegeben.
Die Scheibe kam zurĂĽck und ich hörte den PrĂĽfer sagen „3!!“ WOW!! Als Erstes eine Zahl, das bedeutete – keinen Fehlschuss – alle Treffer in den Ringen!! „8, 10, 10, 10“ Irre, so gut hatte ich noch NIE geschossen. Und da liefen sie … die Tränen. Der ganze Druck und die Anspannung waren mit einmal weg und ich nur noch glĂĽcklich.
Es folgte noch eine Woche pauken, bis der Kopf rauchte. Jeden Abend Lerngruppe. Einheiten mit Waffenhandhabung und immer wieder Bäume und Sträucher. Ganz langsam kroch wieder die Prüfungsangst in mir hoch. Am Sonntag, den 26.04. um 10:30 stand dann die letzte Hürde auf dem Programm 4 Räume, 8 Prüfer und ihre Sachgebiete.
Tja, und dann ging alles doch ganz schnell. Alle Fragen waren beantwortet und wir alle warteten darauf, dass die Ergebnisse ausgewertet wurden.
Wir gingen wieder rein und bekamen eröffnet, dass wir bestanden hatten. Nach und nach wurden wir namentlich aufgerufen und bekamen unsere PrĂĽfungszeugnisse ĂĽberreicht. Frau Finke, mit 98 % eine herausragende schriftliche PrĂĽfung und auch im mĂĽndlich-praktischen eine sehr gute Leistung – nur im SchieĂźen, da haben sie es ein bisschen spannend gemacht! „Weidmannsheil!“


Es ist also geschafft und ich darf mich nun voller Stolz Jungjägerin nennen.
Jetzt, ein paar Tage später, bin ich immer noch sehr stolz und freue mich, dass ich es geschafft habe. Als Nächstes darf ich dann meinen Jagdschein bei der unteren Jagdbehörde lösen (Dienstag).
Es wird jetzt wieder ein wenig mehr auf dem Blog zu lesen geben und natĂĽrlich auch weiter die Serie „Angepirscht“.
Jetzt nehme ich euch mit auf meinem Jungjäger-Weg … denn jetzt fängt das Lernen ja erst richtig an!




