Ein Experiment

Wir kommen gerade vom örtlichen Verein für Gebrauchshunde. Dem Hundeplatz der Ortsgruppe Hünfeld. Ich wollte ein Experiment wagen. Ganz oft gehe ich ja mit Fienchen in den Wald, richte eine Wartezone ein und dann wird halt gewartet. Nun ist da wo wir hinfahren ja nicht wirklich viel los und so habe ich mit gedacht… Fahr doch mal dahin wo gearbeitet wird.

Gesagt getan, die Maus in s Auto und ab. Dort angekommen habe ich sie zuerst im Auto gelassen, um mich den Anwesenden vorzustellen. Außerdem wollte ich ja mein Anliegen vortragen. Ich wollte mich in einer Ecke des Platzes aufhalten, sodass Fiene den fremden Hunden beim Arbeiten zu sehen kann. Erst etwas seltsam angekuckt wurde ich befragt, für was ich diese Art Training brauche. Von Dummytraining hatte von 13 Leuten nur einer schon mal was gehört. Der Rest war aber zumindest neugierig. Dann habe ich die Süße aus dem Auto geholt und alle waren von den Socken. So eine hübsche, ach eine Jagdlinie, die sieht ja viel besser aus als die „normalen“ Golden Retriever.

Und so haben wir uns ein Plätzchen gesucht von wo aus Fiene die Hunde beim Arbeiten beobachten konnten. Ein Boxer, 4 Riesenschnautzer, 1 Zwergschnautzer, 2 Schäferhunde, 1 Malinois. Also alles Hunde, die Fiene noch nie gesehen hat. Und nach anfänglichem Rumgeschnupper hat sie dann ihre Liegeposition gefunden und war echt locker. Sie hat zwar nicht geschlafen aber zumindest hat sie aufmerksam beobachtet ohne sichtbare Zeichen von Stress (Schnäutzchen lecken, starkes Hecheln usw.) Aber jetzt liegt sie in ihrem Kennel und schläft wie in Stein. Auch Warten ist halt sehr anstrengend.

Ich denke, dass werde ich so in 2 Wochen wiederholen. Ich habe ja dort schon erklärt, dass ich nicht auf dem Platz trainieren möchte. Fiene soll nicht „abgerichtet“ werden. Ich habe erklärt, dass viele der Dinge, die dort gelehrt werden, für uns nicht brauchbar sind. Mein Hund darf mich nicht die ganze Zeit anstarren er soll ja schließlich Fallstellen markieren. Mein Hund soll aus der „Sitz“ Position abgerufen werden, nie jedoch aus dem „Platz“. Ich übe mit Pfeiffsignalen usw. aber für „Wartezonentraining“ sind gelegentliche Besuche dort bestimmt gut. Da ist richtig Trubel!

Ein böses Mädchen…

Ja, gestern habe ich mich zum ersten Mal über die Maus geärgert … ein bisschen.

Wir waren zu fünft unterwegs und wie das so ist, wenn man seinen Mann mit hat, dann unterhält man sich und ehe Mann / Frau sich versieht hat man den richtigen Zeitpunkt für den Hier-Pfiff verpennt. Ein uns fremder Mann mit einem uns genauso fremden Hund tauchte plötzlich auf. Hannes startete durch und Fiene natürlich hinterher. Der einzige Hund mit Benehmen war eindeutig Cosma …

Also meine zwei Rabauken quer über den Acker auf die beiden „Eindringlinge“ zu gerannt. Rufen war natürlich zwecklos. Die Begrüßung der beiden Rüden verlief perfekt …. erst fixiert, Rute steil nach oben, dann haben sich beide abgewendet und haben rumgeschnüffelt. Hannes hat dann abgedreht und kam zu mir zurückgeeiert. Aber die Fiene-Maus wollte dringend die Spielqualitäten des neu entdeckten Artgenossens testen… Immer wieder hat sie sich vor ihm auf den Boden geworfen und mit ihm geschnäutzelt … aber er wollte einfach nicht. Aber da war ja noch der zweibeinige Begleiter!! Auf ihn!!!!! Der Mann war wirklich super nett (was ja nicht immer der Fall ist) und hat sie einfach ignoriert bis ich die kleine Schnake wieder eingefangen hatte. Er war zum Glück ein richtiger Hundemensch der auch kein Problem mit einer eingesauten Hose hat.

Der Mann ging den Feldweg weiter und wir in die entgegengesetzte Richtung. Nach ein paar Metern habe ich Fiene wieder laufen lassen und zack hatte sie zum Spurt angesetzt… aber diesmal hatte ich aufgepasst. „Fiene … TÜT TÜT“ und schwupp, hat sie sich rumgedreht und kam! Große Freude, fetztiges Spiel … gegen einen Artgenossen kann mein Hier-Pfiff also definitiv nur dann anstinken wenn ich die Sekunde früher bin als sie … immer weiter üben heißt es also!

Get Out! Sonst noch Fragen…

Heute haben wir ein richtig gutes Training hingelegt. Zum ersten Mal hat das was wir getan haben auch wirklich den Namen „Training“ verdient. Ich hatte mir gezielt vorgenommen eine Wartezone einzurichten und dort mit dem Training zu beginnen. Ruhig liegen während ich von verschiedenen Stellen Dummys fliegen lasse. Danach sollten verschiedene Varianten von „Voran“ erarbeitet werden.

Die Wartezone

Das „Voran“ erarbeiten wir ja mit einem Markier-/Einweisestäbchen …

Einweisestäbchen

Übung 1:   Delphin liegt in der Wartezone und ich packe … mein Buch aus! Eine gute viertel Stunde muss die Maus sich gedulden bis wir (aus ihren Augen betrachtet) mit dem Training beginnen.

Übung 2:   Delphin liegt weiterhin in der Wartezone … und die Dummys fliegen. Fünf Mal wechsel ich den Standort und von jedem Punkt werfe ich 3 Dummys … insgesamt also 15 Dummys die sie fliegen und fallen sieht ohne auch nur ein einziges holen zu dürfen. Sie liegt wie ein Profi und macht keine Anstalten aufzustehen.

Übung 3:   Jetzt geht es aus Fienes Augen richtig los …. Ich hole sie aus der Wartezone ab und wir gehen, Kommando „Left“, zu unserem Stäbchen. Sie sieht wie ich das Dummy (D1) auslege und wir gehen zurück zum Ansatzpunkt.

Übung 3

Die Entfernung von 20 Metern war überhaupt kein Problem. An meinem Bein sitzt sie völlig ruhig, meine Hand zeigt in die Richtung und sie sitzt… auf das gesprochene Wort „Get Out“ spurtet sie los wie aus der Pistole geschossen. Suchenpfiff, Pick Up, und zurück zu mir! Ich will nicht verschweigen, dass sie im Überschwang zuerst an mir vorbeigedüst ist aaaaber nur um sofort zu mir zu kommen und sich ausgiebigst streicheln zu lassen. Auf Kommando „Aus“ … legt sie mir das Dummy in die Hand.

Übung 4:   Ich lasse Delphin am Ansatzpunkt sitzen und … gehe alleine zu unserem Stäbchen. Sie schaut mir zu wie ich D1 auslege aaaaber …. gleichzeitig lege ich auch D2 aus. Ich gehe in einem Bogen zurück zu ihr, nehme meine Position ein und beginne mit dem Einweiseritual. Linker Fuß nach vorne, linke Hand kommt von oben und bleibt neben ihrem Kopf, sie schaut aufmerksam nach vorne… Kommando „Get Out!“. Wie an der Schnur gezogen prescht sie los. Suchenpfiff, Pick up kein Zögern, kein Gucken … zurück und Abgabe. Ohne eine Leckerchenbelohnung (nur Stimmlob) nehme ich sie wieder in die Grundstellung und schicke sie direkt auf D2 und obwohl sie bei diesem zweiten Dummy nicht direkt vorher gesehen hat wie ich es ausgelegt habe gab es keinen Zweifel. Hin, Schnappen, Abliefern …. WOW!

Übung 4

Danach ging es wieder ab in die Wartezone. 5 Minuten Pause.

Übung 5:   Nach der Pause wieder ein paar Schritte Heelwork und Aufbau der Übung. Ich setzt Delphin am Ansatzpunkt ab und gehe in einem Bogen zu dem 1 Stäbchen und lege D1 aus. Da sie bisher nicht auf zwei verschieden Stäbchen geschickt wurde habe ich sie auf direktem Weg zu dem 2. Stäbchen mitgenommen und sie hat das Auslegen von D2 beobachten können. Da ich mir nicht sicher sein konnte, wie gut ihr Erinnerungsvermögen schon ist habe ich die Entfernung zu D2 bei ca. 20 Metern belassen aber zu D1 welche als zweites gearbeitet werden sollt habe ich auf 10 Meter verkürzt.

Übung 5

Was soll ich sagen. Sie ist perfekt. Sie freut sich wie Bolle und sie scheint in ihrem kleinen Kopf das Wissen von Generationen irgendwie hinterlegt zu haben.

Ohne Worte! ... Meine Süße!

Nach diesem erfolgreichen Training haben wir natürlich ausgiebig geschmust und noch ein bisschen geflitzt. Das hat sie sich wirklich mehr als verdient.

... hellwach ...