Hausaufgaben (2)

Ja, wir nehmen unseren Auftrag ernst! Da Frieda und der Gizmo zu Besuch waren und die beiden auch mit Wild arbeiten wollten hat es sich angeboten dies zusammen zu tun.

Je eine Ente und ein Kaninchen wurden von Sarah und mir beigesteuert so war der Wildverbrauch für uns alle gering. Zum Aufwärmen gab es für Fiene jeweils eine Markierung mit Ente und Kaninchen.  Beide hat sie schnell reingeholt. Danach wollte ich sie die Suche arbeiten lassen.

Das Suchengebiet schätze ich so auf 25 auf 30 Meter. Zur rechten Seite hin war es leicht ansteigend. Der Bewuchs waren dichte Heidelbeersträucher, so dass das Wild auf keinen Fall zu eräugen war. Erschwerend kam hinzu, dass die Suche mit Rückenwind gearbeitet wurde. So musste die Kleine zuerst die Tiefe annehmen um sich dann von hinten an die Stücke ran zu suchen. Tja, was soll ich sagen. Sie hat gesucht, und gefunden … 4 von 4! Danach bekam sie einen großen „Schluck“ aus der Leberwursttube und eine Pause.

Start in die Suche
Gefunden....
... und abgeliefert!
... und ein Langohr
... bitte schön ...

Nachdem sie ihren Job wirklich gut gemacht hat bekam sie eine längere Pause. In der Zwischenzeit wurde Frieda und Gizmo gearbeitet. Als für die beiden Flats das Thema Wildgewöhnung abgeschlossen war fuhren wir dann zu einer großen Wiese. Dort sprachen wir zuerst über das Anlegen einer Schleppe und ich bereitet eine für Fiene vor.

Ich testet den Wind und

I'm walking....

„schleppte“ los. Ich bereitete eine Schleppe mit den ungefähren Längen 75 – 50 -75 -100. Der letzte Winkel war etwas spitzer als 90°. Angelegt habe ich mit annähernd Rückenwind.

Sieht schon komisch aus ....

Aber egal wie es aussieht…. Frau Delphin hats echt drauf (platze fast vor Stolz!). Wie immer das Ritual. Ich lege ihr noch im Auto das Halsband an. Setzte sie ab, gehe selbst zum Anschuss und untersuche diesen. Gehe zurück zu ihr und lass sie an meinen Händen schnuppern. Danach führe ich sie zum Anschuss, lasse sie Witterung aufnehmen auf das Kommando „Such, Such!“  lasse ich sie los und sie tut so, als ob sie noch nie etwas anderes getan hätte. Wunderschön mit halbhoher Nase reviert sie über die Schleppe hin und her. Die Abgänge hat sie diesmal sehr schnell erwischt und sie war super schnell am Stück. Dieses hat sie sofort aufgenommen und sich auf den Rückweg gemacht.

Dann haben wir Frieda den Anfang der Schleppe auch nochmal arbeiten lassen. Sarah ging mit Frieda etwas außer Sicht und ich legt das Kaninchen nach ca. 40 Metern auf die zuvor gezogene Schleppspur. Dann wiederholte Sarah das „Ritual“ und schickte Frieda los. Frieda (für einen Flat eher untypisch) suchte sich mit tiefer Nase Richtung Mümmelmann, fand diesen und zack war sie damit auf dem Rückweg.

geschafft !

Dann war die Arbeit aber getan und die drei hatten sich ein bisschen Flitzen wirklich verdient.

Wehe wenn sie losgelassen 🙂
Rock'n Roll Baby !!!
Achtung .....
....  !!!
♥ ♥ ♥

Nachdem sich die drei erst auf der Wiese und dann noch am Wasser ihrer letzten körperlichen Kräfte entledigt hatten …. sah das bei uns zu Hause wie fogt aus ….

sooo müde !

JP/R ~ Vorbereitung (2) Tag 2

Here comes the rain again, falling …. Dieses Lied hätte mein Klingelton für den heutigen Tag sein müssen. Es pladderte vom Himmel wie verrückt!

Aber egal… Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung (… 5€ ins Phrasenschwein). Heute sollte der Schwerpunkt des Tages auf dem Erarbeiten von Schleppen liegen. Wir fuhren ins Gelände, packten unser ganzes Geraffel und zogen los. Immer entlang des Waldes, vor uns ein wirklich riesige Wiese. Nur so, damit man sich das vorstellen kann, eine Fährte mit drei Haken und ca. 300 Meter Länge und davon konnten 2 hintereinander gelegt werden. Nun soll der Abstand zwischen zwei gelegten Schleppspuren ca. 100 Meter betragen. Kurz und gut insgesamt haben wir 4 Schleppen nebeneinander und immer 2 hintereinander gelegt. Es war also wirklich ein richtig große Wiese!

Zu erst die Theorie ….. ein Auszug aus der Prüfungsordnung der JP/R

§ 20 Spurwille und Sicherheit auf der Schleppspur

a. Beschreibung des Geländes
(1) Diese Art der Schleppe soll das natürliche Fluchtverhalten eines Hasen simulieren, der sich unter Ausnutzung natürlicher Deckung und Bodenvertiefungen seinen Verfolgern zu entziehen vermag.

(2) Als brauchbares Gelände für die Schleppenarbeit sind Felder mit niedrigem Bewuchs und lichte, weit einsehbare Hochwälder zu wählen, die den Richtern den Überblick über die Arbeit des Hundes auf dem größten Teil der Schleppe ermöglichen. Natürliche Hindernisse sollen im Schleppenverlauf vorhanden sein.

b. Vorbereitung der Arbeit
(1) Die Schleppe wird mit einem Stück Haarwild (Hase oder Kaninchen) von einem Richter auf bewachsenem, einsehbarem Gelände mit Nackenwind mindestens 300 m gelegt. Die Schleppspur muss 3 nahezu rechtwinklige Haken enthalten und soll über natürliche Hindernisse (Gräben, Wege und in den einsehbaren Wald) geführt werden.
(2) Die Schleppen sollen gleichwertig sein und müssen überall mindestens 100 m voneinander entfernt liegen.

(3) An das Ende ist das geschleppte, möglichst frisch geschossene Stück Haarwild abzulegen (nicht verdeckt oder in einer Bodenvertiefung) und von der Schleppleine zu befreien. Danach muss sich der Richter in der Verlängerung der Schleppe entfernen und so verbergen, dass er vom Retriever nicht eräugt werden kann. Er darf erst dann aus der Deckung treten, wenn die am Anschuss verbliebenen Richter ein Zeichen
geben oder er selbst erkennen kann, dass das Prüfungsfach für den jeweiligen Hund abgeschlossen ist.

(4) Der zu prüfende Retriever darf das Legen der Schleppe nicht eräugen.

(5) Die Richter sind verpflichtet, dem Führer den markierten Anschuss und die Schlepprichtung zu zeigen.

(6) Der Führer darf seinen Retriever die ersten 20 m der Schleppe an der Leine führen, dann muss er ihn schnallen und darf nicht weiter folgen. Falls der Hund, ohne gefunden zu haben, zurückkehrt und nicht selbständig die Schleppspur wieder annimmt, darf der Führer ihn nur noch zweimal ansetzen.

(7) Die Richter dürfen die Arbeit beenden, wenn sie sich ein abschließendes Urteil bilden konnten oder eine zweite Schleppenarbeit vorgesehen ist. Der Retriever muss nicht gefunden haben.

c. Beurteilung der Arbeit
(1) Zur Urteilsfindung müssen mehr der Wille, der Vorwärtsdrang und die Sicherheit sowie die Schwierigkeit der Schleppspur, als die Länge der ausgearbeiteten Strecke herangezogen werden.

(2) Mehrmaliges Ansetzen beeinflusst nicht die Beurteilung der Schleppenarbeit, wenn der Retriever die Arbeit willig und freudig wieder aufnimmt.

(3) Das Bringen ist unter dem Fach “Bringen von Nutzwild” zu beurteilen.

d. Mindestbedingung:
Prädikat “genügend” (3 Arbeitspunkte)

Aber zurück zur Materie. Wenn man einen Hund ausbildet gibt es ja mehrere Phasen des „Beibringens“. Ganz am Anfang, weiß er also noch überhaupt nicht, was wir von ihm wollen. Trotzdem sind seine Anlagen und seine Sinne vorhanden. Geht man jetzt unvorbereitet vor, nimmt den Hund mit zum Anschuss, lässt in Witterung aufnehmen und dann … guckt man einfach mal, was passiert kann es sein, dass er völlig planlos umherrennt und eher zufällig über das Stück „stolpert“ was hat unser vierbeiniger Kollege jetzt gelernt? Richtig – Nix!

Darum hatten wir auch die strickt Anweisung von Norbert erhalten grundsätzlich den Hund nur mit Halsung und Schleppleine arbeiten zu lassen. Immer wenn er erkennbar von der Spur / Witterung abkommt sollten wir ihn wieder darauf konzentrieren können. Außerdem sollten wir peinlich genau auf den Wind achten um für den Hund, in dieser ersten Lernphase, die einfachsten und für ihn besten Bedingungen zum Lernen und Begreifen zu schaffen. Beim Anlegen der Schleppspur sollten wir stehts mit Rückenwind oder mit Seitenwind arbeiten.

So ... nicht !!

Aber selbst, wenn die Spur unter optimalen Voraussetzungen gelegt wurde, ist da ja immer noch die „Wundertüte“ Hund. Jeder arbeitet anders. Manche suchen mit extrem tiefer Nase, saugen sich auf der Spur fest und folgen dieser fast punktgenau. Andere wiederum laufen unter dem Wind, von der Spur versetzt bis zu 3 Metern laufen sie die Schleppe, ja wie kann man das nennen, sie laufen sie versetzt ab und kommen so zum Stück.

Hund läuft unter dem Wind - Versetzt zur Schleppe

Die letzte Gruppe von Hunden arbeitet mit hoher Nase sie bögeln über die Spur und zeigen so, dass sie den Wind optimal nutzen und die Witterung „lesen“ können.

Hund bögelt - Witterung, keine Witterung, Witterung - so verfolgt er die Spur bis zum Stück

Die Schleppen für den ersten Durchgang sollten alle Hunde mit Halsung und Leine arbeiten. Beim ersten Seminarwochenende waren Sonja mit ihrer Gracy ja noch nicht mit von der Partie und so sollten sie bei den ersten Teams zuschauen. Jeder von uns Hundeführern hatte sich ein spezielles Ritual und ein Kommando ausgedacht. Dieses sollte sich sehr von denen unterscheiden, welches wir sonst fürs Suchen verwenden. Für Fiene habe ich nur für diesen Zweck ein neues (ihr erstes) Halsband gekauft. Da sie sonst mit englischen Kommandos geführt wird habe ich mich bei der Schleppe für das Kommando „Such“ entschieden.

Der Beginn des Arbeitens (sollte) immer gleich sein. Ich gehe mit ihr in Richtung Anschuss. In einer kleinen Entfernung setzte ich sie ab und gehe ohne sie zur Bodenverwundung. Dort knie ich mich hin, untersuche den Anschuss mit den Händen und spreche leise „Ohhhhh, was ist hier?? Sooooo spannend!!“ Dann gehe ich zurück zu ihr und lasse sie an meinen Händen schnuppern. Wir gehen gemeinsam zum Anschuss, ich zeige ihn ihr – Such, such….. und dann geht sie ab die Lakritznase!

Bei ihrer ersten Schleppe war sie etwas schnell und ich habe sie zwei mal wieder „in die Spur“ gelockt. Dann war sie aber sicher und hat das Kaninchen sofort aufgenommen und gebracht. So schöne gearbeitet! Norbert hat uns gelobt und ausdrücklich betont, wie wichtig es ist, nicht hektisch zu werden und den Hund nur im Notfall zu korrigieren. Er war zufrieden mit uns *freu*

In unserem zweiten Durchgang hieß es dann – ohne – Schleppleine. Wieder das Ritual, Such, such …. und weg war sie! …. Dadurch, das die Schleppe hangabwärts gezogen worden war, befand sich Fiene ganz schnell außerhalb meines Blickfeldes… und das ist richtig schlimm! Wo ist sie und vor allem was macht sie? Rennt sie konfus umher, arbeitet sie? Norbert ging (genau wie der Richter es auch tun würde) hinter ihr her um sie beim Arbeiten zu beobachten. …. Die Minuten scheinen schier endlos und man fühlt sich und tatsächlich ist man es auch hilflos. Da, Norbert streckt den Arm hoch und auch den Daumen. Sie hat das Stück und ist auf direktem Weg zu mir zurück. Es ist unglaublich und ich bin froh, erleichtert und stolz … sie hat es geschafft.

Unsere Hunde (die Golden Worker) bei der Arbeit zu sehen ist schon beeindruckend besonders, wenn sie den Turbo einschalten. Manchmal, steht ihnen aber gerade diese Schnelligkeit im Weg, wenn es darum geht sehr genau zu arbeiten und konzentriert an einer Sache dran zu bleiben. Da hat uns die kleine Gracy die Qualitäten der Standartlinie präsentiert.

Sie gehört zu den Hunden, die sich auf der Spur „festsaugen“ ….. ganz ruhig ist sie diese abgelaufen und hat das Stück reingebracht. Es war toll zu beobachten.

Sonja & Gracy warten auf ihren Einsatz

Nachdem dann wirklich jeder Hund zwei Schleppen gearbeitet hatte wurde es Zeit für eine Mittagspause. Da wir alle in Regenzeug gehüllt und durchgeschwitzt waren einigten wir uns im Gelände zu bleiben.

Wir packten unsere Sachen ein und fuhren an einen neunen Arbeitsplatz. Frei-Verloren-Suche und Walk Up standen noch auf dem Stundenplan. Endlich hörte es auch auf zu regnen und der Wald verwandelte sich in eine kuschelige Sauna. Oh man, man muss seinen Hund und dieses Hobby wirklich sehr mögen (JJJJAAAAAA) … Nicht Hundemenschen halten einen doch wirklich für völlig verrückt. „… und, was hast du am Wochenende so gemacht?“ – „…ach, ich bin 260 Km gefahren, um dann den ganzen Tag, bei Regen, tote Tiere über eine Wiese zu schleppen oder so ähnlich.“

Das Suchengebiet welches Norbert aussuchte, hatte es wirklich in sich. Durchweg mit Heidekraut bewachsen und vielen Büschen und Sträuchern, war es wirklich schwer. Unser Ergebnis 4 von 4 reingebracht stimmte mich zuversichtlich, obwohl Fiene sicher noch schneller Suchen könnte und das Fragen (ein Mal hat sie 😦 ) auch mal lassen könnte. Egal 4 von 4 = Super!

Beim anschließenden Walk Up war die Luft dann raus bei der kleinen. Fußarbeit war mäßig und bei einer Markierung hat sie schlicht gepennt. Aber kann ich es ihr verübeln? Ne, an der Kondition arbeiten wir noch …. gell Süße es war schon anstrengend.

Das von Norbert gezogene Fazit des Tages war positiv. Für jeden von uns hatte er kleine Tips woran wir arbeiten sollen. Für uns speziell lauten die Hausaufgaben – Apportieren einer Ente aus dem Schilf wobei das Ziel ist, dass die Maus direkt das nasse Tierchen aufnimmt und ohne Umwege damit zurück kommt und, wenn wir Suche trainieren wirklich schwere Gebiete zu wählen.

Wird gemacht !! Wieder gingen zwei Tage eigentlich viel zu schnell vorbei. Es macht einfach nur Spaß mit so lieben Menschen zusammen zu sein, die an der Arbeit mit dem Hund genau so viel Freude haben wie ich. Ich freue mich schon sehr euch alle im September wieder zu treffen ……